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Vigilance nach MDR: Was im Ernstfall zählt (und was nicht)

Ein schwerwiegendes Vorkommnis — 15 Tage bis zur Meldung. Kein System, kein Prozess, kein Protokoll. So sieht der Worst Case aus. Und so vermeiden Sie ihn.

15. März 2026von EUDAMED Lotse Redaktion

Der Ernstfall ist kein Sonderfall mehr

Mit der MDR und der Pflichtnutzung von EUDAMED ab Mai 2026 ist Vigilance keine theoretische Anforderung mehr — es ist ein operativer Prozess mit harten Fristen, digitalem Protokoll und direkter Behördensichtbarkeit.

Ein schwerwiegendes Vorkommnis mit Ihrem Produkt. Sie haben Kenntnis. Die 15-Tage-Uhr läuft. Was passiert als nächstes?

Was ist ein "schwerwiegendes Vorkommnis" nach MDR?

Die MDR (Art. 2 Nr. 65) definiert schwerwiegende Vorkommnisse als jene, die direkt oder indirekt zu einer der folgenden Situationen geführt haben, hätten führen können oder führen könnten:

  • Tod eines Patienten, Anwenders oder einer anderen Person
  • Vorübergehende oder dauerhafte schwere Verschlechterung des Gesundheitszustands
  • Schwere Gefahr für die öffentliche Gesundheit

Wichtig: "Hätte führen können" ist entscheidend. Auch Fast-Fehler (near misses) mit Schadenspotenzial sind meldepflichtig.

Die drei Fristen — und wann welche gilt

| Frist | Situation | |-------|-----------| | 2 Tage | Unmittelbare Gefahr für Patienten oder Öffentlichkeit | | 10 Tage | Tod oder unerwartete schwere Gesundheitsverschlechterung | | 15 Tage | Standard: alle anderen schwerwiegenden Vorkommnisse |

Die Frist beginnt ab Kenntnisnahme durch den Hersteller — nicht ab dem Datum des Vorkommnisses selbst.

Was in EUDAMED gemeldet werden muss

Die Meldung erfolgt im MIR-Format (Manufacturer Incident Report) über das EUDAMED-Vigilance-Modul. Pflichtangaben:

  • Beschreibung des Vorkommnisses
  • Betroffenes Produkt (UDI-DI)
  • Datum der Kenntnisnahme
  • Klassifikation des Schweregrads
  • Erste Einschätzung zur Ursache
  • Geplante oder ergriffene Maßnahmen

Das MIR ist ein strukturiertes XML-Dokument — kein Freitext-Formular.

FSCA: Wenn Rückruf unausweichlich ist

Eine Field Safety Corrective Action (FSCA) ist jede Maßnahme, die ein Hersteller ergreift, um ein Risiko bei bereits in Verkehr gebrachten Produkten zu reduzieren. Typen:

  • Rückruf (Return/Withdrawal)
  • Modifikation vor Ort (Softwareupdate, Neukonfiguration)
  • Sicherheitshinweis (Field Safety Notice an Anwender)

FSCAs müssen in EUDAMED mit der ursprünglichen Vigilance-Meldung verknüpft und separat dokumentiert werden.

Warum Vigilance ohne System riskant ist

Ohne strukturierten Vigilance-Prozess:

  • Fristen werden versäumt (5–15 Werktage BfArM-Reaktion + Bußgeld)
  • MIR-XML wird falsch formatiert (EUDAMED akzeptiert nicht valide XML nicht)
  • Zusammenhang zwischen Vorkommnis und FSCA geht verloren
  • Behördenanfragen können nicht schnell beantwortet werden

EUDAMED Lotse Pro überwacht laufende Vigilance-Fälle, eskaliert bei nahenden Fristen und generiert valide MIR-XML auf Knopfdruck.

Fazit

Vigilance ist kein Papierkram — es ist ein Echtzeit-Prozess mit behördlicher Sichtbarkeit ab dem ersten Tag. Wer im Mai 2026 ohne strukturierten Vigilance-Workflow in EUDAMED ist, läuft in die nächste Compliance-Lücke hinein.

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